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Der Name Scherhag ist in Deutschland mittlerweile recht oft zu finden. Allein in den letzten Jahren ist die Zahl enorm angestiegen. Dennoch ist der Name an sich recht ungewöhnlich und so werde ich immer wieder gefragt, wo er denn herkommt. Selbst in den USA sind die Scherhags vertreten, dort allerdings als Nachfolger von Philip Sherhag., der 1850 auswanderte und in die Rezessionskriege geriet.
Ende 2008 hat mein Vater Wolfgang Scherhag sein Buch “Ausgewählte Geschichten der Familien Scherhag zwischen 1550 und 2008” fertig gestellt und als Hard- und Softcover-Version herstellen lassen. Bereits nach kurzer Zeit meldete sich sogar die Rhein-Zeitung, um einen großen Artikel über dieses Buch zu veröffentlichen. Aufgrund des großen Interesses habe ich mich entschlossen, eine PDF-Datei zu erstellen und eine Download-Möglichkeit anzubieten. An dieser Stelle soll ein kleiner Auszug zur Geschichte des Namens einen Einstieg ermöglichen.

Versuch, den Namen Scherhag zu deuten
Die älteste mir bekannte urkundliche Nennung des Sippennamens Scherhag finden wir 1579 in Andernach. Jakob Scheirhag, der als Fremder in die Stadt kam, hat dort eine Bürgerstochter geheiratet. In den Jahren 1581 und 1586 änderte sich die Schreibweise in Scherhach. Später finden wir die Variationen Scherrach, Schirach, Scherhaig, Scheierhag und letztendlich ab 1756 in Andernach Scherhag. In Nickenich wurde der Name einheitlich ab 1633 Scherhag geschrieben. In den Orten Arenberg, Immendorf und Arzheim bei Koblenz waren die Variationen Scherhach, Scheragh, Scerag, Scherach gebräuchlich, bis sich zwischen 1718 und 1833 die Schreibweise Scherhag durchsetzte. Im Heiratsregister der Pfarrei Bassenheim finden wir für das Jahr 1686 die Schreibweise Scheerhaag, 1689 Schehrhag, 1705 Scherhach. Ab 1718 setzte sich dort der Name Scherhag durch.
In Ochtendung treffen wir 1715 auf die Abänderung Scheerhach. In Moselweiß sind die Schreibweisen Scherrach im Jahre 1721 und ab dem Jahr 1728 einheitlich Scherhag bis heute gebräuchlich. In Rüber wurden die Namensträger 1747 Scherhag, 1756 Scherrhaag, 1787 Scherhaag, 1795 Scherhach, 1801 Scherag benannt. Heute finden wir dort einheitlich den Namen Scherhag.
In Rhens am Rhein, wo mein Bruder und ich aufgewachsen sind, benannten uns die Einheimischen die Doktor-Scherrachs-Kinder. In den Kirchenbüchern und kommunalen Akten können wir nachlesen, dass auch andere Familiennamen von den eintragenden Pfarrern und Stadtschreibern so übernommen wurden, wie sie ihnen sprachlich und lautmalerisch entsprechend den jeweiligen Dialekten vorgetragen wurden.
Wir können davon ausgehen, dass der Familienname Scherhag ein alter deutscher Name ist, der sich aus zwei Silben gebildet hat: scher und hag oder hach. Dies deutet darauf hin, dass sich die Silben auf örtliche oder landschaftliche Gegebenheiten beziehen, zum Beispiel auf den Scherer am Hag oder Hach, wobei Hag (Maria im Rosenhag) ein mit Zäunen oder Hecken umgebenes Wiesenfeld sein kann. Aber auch die Weide selbst wurde und wird als die Scher bezeichnet, die es zu mähen oder scheren gilt. Da jedoch das Wort Hag im westdeutschen Raum nicht benutzt wird und überwiegend nur im süddeutschen Raum vorkommt, gehen die Namensforscher davon aus, dass unsere Namensträger im frühen Mittelalter vom Süden kommend nach Westdeutschland gewandert sind. Scher war aber auch die Bezeichnung für den Maulwurf (Schermaus), dessen Lebensweise jedoch wiederum in Verbindung mit Wiese steht, die auch als Maulwurfshag benannt werden kann. In der Gemeinde Wirfus bei Cochem/Mosel finden wir die Flurstücke Laubschar oder Scherbusch, wo ehemals das Laub geschoren wurde. Sofern Scher der Besitzer eines Hages (Wiesenland) war, lässt sich Scher oder Scheer auf den althochdeutschen im 9. Jahrhundert nachgewiesenen Familiennamen Scarius oder Scaro zurückführen, der sich im Laufe der Zeit in Scher und Scherr umgewandelt hat.
Nach diesen kurzen Erläuterungen sollten wir folgendes festhalten:
- Der Wortteil scher bedeutet schon im frühen Mittelalter in Nieder- und Oberdeutschland Weideplatz und Wiesenland.
- Der Wortteil hag bezeichnet in Oberdeutschland eine Einfriedung, auch einen umzäunten Weideplatz und einen von einem Herrensitz zu unterscheidenden Wohnort
- Die vorherrschende Gebundenheit des Wortteils hag an Oberdeutschland lässt vermuten, dass der Orts- oder Flurname Scherhag in Oberdeutschland beheimatet ist und dort zuerst aufgekommen sein kann.
- Am Mittelrhein um Koblenz und im Maifeld, wo der Name Scherhag oft vorkommt, ist scher im Sinne von Weide- und Mähland ungebräuchlich.
Bei der Betrachtung dieser vier Feststellungen lässt sich die in Andernach noch erhaltene Fama oder Überlieferung verstehen, die beinhaltet, dass die Scherhags aus Bayern an den Rhein gekommen seien. Da die Bayern als Bajuwaren in den Jahrhunderten der Völkerwanderung aus dem südosteuropäischen Raum in das heutige Bayern gewandert sind, können es auch Scherhags gewesen sein, die diese Wanderung mitgemacht haben. Die überwiegend dunkle bis schwarze Haarfarbe, die dunkelbraunen Augen und das überaus hitzige Temperament – Eigenschaften und Körpermerkmale, die bei den uns bekannten Generationen vorherrschend waren und sind – fänden dann eine Erklärung.
Bei Interesse an einem PDF des Buches senden Sie mir bitte eine Nachricht.
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